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Kommentar: Theologe über Grundgesetz und Scharia „Es braucht keinen deutschen Islam“

Am 26.06.2016 veröffentlichte „taz.de“ den Artikel mit dem Titel: Theologe über Grundgesetz und Scharia „Es braucht keinen deutschen Islam“

Milad Karimi lehrt in Münster islamische Theologie, er kam einst als Flüchtling aus Kabul nach Deutschland. Nun fordert er, wir sollten hier „mehr Islam wagen“. [Mehr lesen]

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Kommentar von Realität-Islam

Ein sehr interessantes Interview, das am Ende einen zwiespältigen Eindruck hinterlässt. Herr Dr. Karimi, der an der Universität Münster islamische Theologie lehrt, habe eine neue Übersetzung des Koran deutscher Sprache herausgegeben, um wie er selber beschreibt, dem ästhetischen Aspekt des Koran mehr Ausdruck zu verleihen. Denn der Koran sei „…ein Werk, dass fragmentarisch ist und von der Offenheit lebt, von seinem Klang und von dem, was nicht gesagt wird. Diese Offenheit, der plurale und polyphone Charakter, wird gerade durch die Ästhetik hervorgehoben. Das haben die Quellen der Religion so an sich, sie sind immer uneindeutig.“

Nicht nur die Ästhetik des Koran, sondern auch sein Stil und seine einzigartige Anwendung der arabischen Sprache sind zweifellos über all dem Erhaben, was Menschen jemals im Stande sind, sprachlich hervorzubringen. Diese Eigenschaften des Koran, machen ihn einzigartig, unnachahmbar und sind der Beweis dafür, dass er das Wort Allahs (s.w.t.) ist. Denn Allah (s.w.t.) sagt:

وَإِن كُنتُمْ فِى رَيْبٍۢ مِّمَّا نَزَّلْنَا عَلَىٰ عَبْدِنَا فَأْتُوا بِسُورَةٍۢ مِّن مِّثْلِهِۦ وَٱدْعُوا شُهَدَآءَكُم مِّن دُونِ ٱللَّهِ إِن كُنتُمْ صَٰدِقِينَ ﴿٢٣﴾ فَإِن لَّمْ تَفْعَلُوا وَلَن تَفْعَلُوا فَٱتَّقُوا ٱلنَّارَ ٱلَّتِى وَقُودُهَا ٱلنَّاسُ وَٱلْحِجَارَةُ ۖ أُعِدَّتْ لِلْكَٰفِرِينَ

„Und wenn ihr im Zweifel seid über das, was Wir auf Unseren Diener herabgesandt haben, so bringt doch eine Sura gleicher Art herbei und beruft euch auf eure Zeugen außer Allah, wenn ihr wahrhaftig seid. Und wenn ihr es aber nicht tut – und ihr werdet es bestimmt nicht tun können – so fürchtet das Feuer, dessen Brennstoff Menschen und Steine ¨ sind; es ist für die Ungläubigen vorbereitet.“ (Sure 2:23-24)

Diese Unnachahmlichkeit des Koran ist also viel mehr als nur reine Ästhetik, sie ist das Fundament der islamischen Aqida und Grundlage für die Authenzität seines Inhaltes. Der Koran ist somit die direkte Ansprache unseres Schöpfers an uns Menschen und sein Inhalt stellt für uns eine Verbindlichkeit dar. Zudem sind viele seine Verse eindeutige und klare Verse, die keinen Interpretationsspielraum zulassen. Das Gegenteil also von dem, was Herr Dr. Karimi über alle Quellen der Religion behauptet, nämlich, dass sie immer uneindeutig seien.

هُوَ ٱلَّذِىٓ أَنزَلَ عَلَيْكَ ٱلْكِتَٰبَ مِنْهُ ءَايَٰتٌ مُّحْكَمَٰتٌ هُنَّ أُمُّ ٱلْكِتَٰبِ وَأُخَرُ مُتَشَٰبِهَٰتٌ ۖ فَأَمَّا ٱلَّذِينَ فِى قُلُوبِهِمْ زَيْغٌ فَيَتَّبِعُونَ مَا تَشَٰبَهَ مِنْهُ ٱبْتِغَآءَ ٱلْفِتْنَةِ وَٱبْتِغَآءَ تَأْوِيلِهِۦ ۗ وَمَا يَعْلَمُ تَأْوِيلَهُۥٓ إِلَّا ٱللَّهُ ۗ وَٱلرَّٰسِخُونَ فِى ٱلْعِلْمِ يَقُولُونَ ءَامَنَّا بِهِۦ كُلٌّ مِّنْ عِندِ رَبِّنَا ۗ وَمَا يَذَّكَّرُ إِلَّآ أُولُوا ٱلْأَلْبَٰبِ

„Er ist es, Der dir das Buch herabgesandt hat. Darin sind eindeutig klare Verse – sie sind die Grundlage des Buches – und andere, die verschieden zu deuten sind. Doch diejenigen, in deren Herzen (Neigung zur) Abkehr ist, folgen dem, was darin verschieden zu deuten ist, um Zwietracht herbeizufuhren und Deutelei zu suchen, (indem sie) nach ihrer abwegigen Deutung trachten. Aber niemand kennt ihre Deutung außer Allah. Diejenigen aber, die ein tiefbegründetes Wissen haben, sagen: ”Wir glauben wahrlich daran. Alles ist von unserem Herrn.” Doch niemand bedenkt dies außer den Einsichtigen.“ (Sure 3:7)

Der zunächst gut gemeinte Versuch, die Ästhetik des Koran auch in eine andere Sprache zu reflektieren, hat bei näherer Betrachtung jedoch ganz andere Ziele.

Das Ziel ist die Reduzierung des Koran auf eine rein romantische Schrift, die von den Inhalten ablenken und die Ästhetik hevorheben soll. Dadurch werden jeder absurden und absolut unhaltbaren Theorie in grundlegenden Fundamenten des Islam Tür und Tor geöffnet. Die selbsternannten Reformatoren träumen davon, auf diese Art und Weise einen an ihre Wünsche angepassten Islam zu kreieren, der zudem von staatlicher Seite gefördert und verbreitet werden soll. Wir möchten hier keinen theologischen Diskurs beginnen, um die Ideen des Herrn Dr. Karimi und Konsorten zu widerlegen. Unser Augenmerk sollte vielmehr darauf gerichtet sein, dass die Ambitionen hinter solchen Bestrebungen, allen Beteuerungen zum Trotz, die Etablierung eines deutschen Islam ist und keinesfalls als reine wissenschaftliche oder theologische Debatte zu verstehen ist.

Denn auf die Frage, ob der Islam eine Reformierung bedürfe, antwortet Dr. Karimi:

„Wir tun uns keinen Gefallen damit, wenn wir eine Art Reform­islam propagieren, weil wir damit auch eine Art Traditionsbruch betreiben würden…. Unsere Aufgabe ist vielmehr, mit kritischem Verständnis auf die eigene Tradition zu blicken und deutlich zu machen, wie wir von innen her das Neue erringen. Dass auch die früheren Koraninterpreten Kinder ihrer Zeit waren und dass man den Koran heute zu den jetzigen Bedingungen lesen muss, ist evident.“

An die Muslime lautet unser Appell daher, nicht auf diese perfiden und hinterlistigen Spielchen hereinzufallen. Denn selbst wenn nicht offen für eine Reformation des Islam geworben wird, so wird dies doch unter vorgehaltener Hand angestrebt. Krampfhaft wird nämlich versucht, den Islam mit dem Grundgesetz kompatibel zu machen, obwohl diese Kompatibilität für ein friedliches Miteinander der Muslime mit der Mehrheitsgesellschaft nicht vonnöten ist. Der Islam ist nämlich eine göttliche und allumfassende Lebensordnung mit einzigartigen und spezifischen Problemlösungen für alle erdenklichen menschlichen Bedürfnisse. Das ist das Wesen des Islam. Eine menschliche Idee wie den Säkularismus mithilfe eines rein spirituellen Islam zu legitimieren und dieser menschlichen Idee einen göttlichen Ursprung zu unterstellen ist an Dreistigkeit nicht mehr zu überbieten. Eine neue Lesart des Koran zu fordern, welche an die jetzigen Bedingungen angepasst ist, bedeutet nämlich dies und nichts Anderes.

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