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Kommentar: „Wo steht der deutsche Islam?“

Am 02.05.2016 veröffentlichte „welt.de“ den Artikel mit dem Titel: „Wo steht der deutsche Islam?“

„In Frankfurt haben sich Experten getroffen, die die Frage, ob der Islam zu Deutschland gehört, längst hinter sich gelassen haben. Entscheidend für sie ist, von welchem Islam die Rede ist. Die Hoffnungen ruhen auf auf liberalen Muslimen, humanistischen Gläubigen und auf Mystikern. Eingeladen zu der Konferenz hatten das Forschungszentrum “Globaler Islam” an der Universität Frankfurt, das Exzellenzcluster Normative Orders und die Konrad-Adenauer-Stiftung.“ [Mehr lesen]

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Kommentar von Realität-Islam

Es gibt ihn also schon. Den deutschen Islam. Inzwischen spricht man in den üblichen Kreisen nämlich nicht mehr darüber, ob man ihn braucht oder wie er auszusehen hat. Nein, man fragt sich: „Wo steht der deutsche Islam?“ und möchte damit sagen, dass er schon längst da ist. Die üblichen Verdächtigen der selbsternannten Experten-Szene haben sich unlängst in Frankfurt getroffen, um eine Bestandsaufnahme vorzunehmen. Von welchem Islam die Rede ist, sei entscheidend für die Islam-Debatte. Und was man sich dabei mitunter wünscht, wird gleich deutlich gemacht.: Es seien die liberalen Muslime, die humanistischen Gläubigen und die Mystiker, auf denen die „Hoffnungen ruhen“.

Die Direktorin des Forschungszentrums „Globaler Islam“ an der Uni Frankfurt nimmt an, dass die meisten Muslime in Deutschland sogenannte Kulturmuslime seien. Muslime, die „… die sich zu ihrer Religion nicht anders verhalten als viele Christen, die nur Weihnachten einmal in die Kirche gehen und sich ansonsten in ihrem Leben mit ganz anderen Dingen beschäftigen. Ich würde vermuten, dass es die Mehrheit der Muslime in Deutschland ist.“ Den Beleg dafür bleibt die Islam-Expertin schuldig. Probleme bereiteten anders als die Kulturmuslime, sagt die Ethnologin, Salafisten oder Dschihadisten, und kriminalisiert damit praktisch alle Muslime, die nicht dem Profil eines Kulturmuslims entsprechen. Ein Phänomen, das wir beim Führen der Integrationsdebatte schon länger mit Unbehagen verfolgen. Und das nicht erst in letzter Zeit dafür Sorge trägt, dass sich Muslime, die mehr sein wollen als nur „Kulturmuslime“, wegducken müssen, um nicht als Sicherheitsrisiko dazustehen. Wir beobachten einen Vorgang, der mit einem ungeheuren Druck auf die muslimische Community einhergeht und eine natürliche und unbeschwerte Ausübung des islamischen Lebens in Deutschland immens beeinträchtigt.

Einen Ausweg für dieses Dilemma bietet Khorchide auf der Konferenz praktischerweise mit seinem „humanistischen Islam“ gleich mit an. Dieser führe in eine Richtung, in dem Gott als Autorität abgelehnt werde (?), in dem Gott und Menschen Partner seien (?), schließlich „ist Gott ein Humanist“ (?).

Allah, der Erhaben beschrieb uns solch ein Vorgehen, als Er sagte:

وَإِنَّ مِنْهُمْ لَفَرِيقًا يَلْوُونَ أَلْسِنَتَهُم بِالْكِتَابِ لِتَحْسَبُوهُ مِنَ الْكِتَابِ وَمَا هُوَ مِنَ الْكِتَابِ وَيَقُولُونَ هُوَ مِنْ عِندِ اللّهِ وَمَا هُوَ مِنْ عِندِ اللّهِ وَيَقُولُونَ عَلَى اللّهِ الْكَذِبَ وَهُمْ يَعْلَمُونَ

„Und wahrlich, eine Gruppe von ihnen verdreht mit seinen Zungen die Schrift, damit ihr es für zur Schrift gehörig haltet, während es nicht zur Schrift gehört. Und sagen: „Es ist von Allah“, während es nicht von Allah ist. Und sie sprechen damit eine Lüge gegen Allah aus.“  (Al-i-‘Imran,78)

Wir als Realität Islam sind fest davon überzeugt, dass eine Lebensordnung, die auf Khorchides erfundenen Thesen gründet, all jene augenblicklich zufriedenstellen würden, die regelmäßig und mit Vehemenz die totale Assimilation der Muslime einfordern. Und darin die einzige Praxis anerkennen, die ein sinnvolles Zusammenleben gewährleisten kann. Nur ist es dann aber nicht mehr die islamische Lebensordnung.

وَمَن يَبْتَغِ غَيْرَ الإِسْلاَمِ دِينًا فَلَن يُقْبَلَ مِنْهُ وَهُوَ فِي الآخِرَةِ مِنَ الْخَاسِرِينَ

„Wer aber als Lebensordnung etwas anderes als den Islam begehrt, so wird es von ihm nicht angenommen werden, und im Jenseits wird er zu den Verlierern gehören.“ (Al-i-Imran, 85)

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Ein Kommentar

  1. Die nichtmuslimischen Schreiberlinge werden nicht müde, einen „deutschen“ oder „europäischen“ Islam herbeizureden und anzupreisen, ohne die Muslime zu fragen, ob sie einen solchen überhaupt wünschen.
    Zur Ehrenrettung der Mystiker – wenn damit Ahl at-Tasauwuf gemeint ist – sei gesagt, dass nicht alle von ihnen zu jener Richtung gehören, auf der „die Hoffnungen auf einen deutschen Islam ruhen“. Diese Schreiberlinge, wie auch die Bundesanstalt für politische Bildung, die die Aufgabe eines Propagandaministeriums übernommen hat, können es einfach nicht lassen, den Muslimen vorschreiben zu wollen, wie sie ihre eigene Religion zu verstehen haben.
    Prof. Mouhanad Khorchide, der sich mit seinen Ansichten eines „humanen“ Gottes weitgehend auf den in seiner ägyptischen Heimat offiziell zum Apostaten erklärten Nasr Hamid Abu Zaid zu stützen scheint, blendet bei seinem Gottesbild offensichtlich eine Anzahl von Stellen im Koran und im Hadith einfach aus, um zu seiner Vorstellung vom „lieben Gott“ zu kommen, mit dem man auf Augenhöhe spricht. Man halte sich die unvorstellbare Größe des Universums vor Augen, in dem wir leben, in dem der einzelne Mensch nur wie ein winziges unbedeutendes Stäubchen erscheint, und dieses Universum ist im Verhältnis zu Gottes Thronschemel nur wie ein Ring in einer riesigen ausgedehnten Wüste und der Schemel im Verhältnis zu Gottes Thron auch wiederum nur wie ein Ring in einer riesigen ausgedehnten Wüste. In Koranversen wie „Er ist der Bezwinger über Seinen Dienern, und Er ist der Allweise und Allkundige“ [6, 18] oder „Gott hat die Herrschaft über die Himmel und die Erde. Er macht lebendig und läßt sterben“ [9, 116] macht Gott Seine Stellung seinen Geschöpfen gegenüber deutlich. Und da faselt Prof. Khorchide etwas von einem „Gespräch auf Augenhöhe“, und dass der Koran im Diskurs zwischen Gott und Mensch entstanden sein soll!
    Der Titel eines seiner Bücher lautet „Gott glaubt an den Menschen“. Man stelle sich das vor: Gott glaubt an den Menschen, so wie ein fehlbarer unwissender Mensch an einen anderen Menschen „glaubt“, sein Vertrauen in ihn setzt, weil er meint (glaubt im Sinne von meint, denkt), dieser Mensch würde ihn in seinem Glauben an ihn nicht enttäuschen. Was ist aber, wenn er das in ihn gesetzte Vertrauen nicht erfüllt? – Dann hat sich der „Gläubige“ eben in ihm getäuscht. Gott ist jedoch weit davon entfernt und darüber erhaben, zu „glauben“; Er weiß mit völliger Sicherheit. Er besitzt vollkommenes und allumfassendes Wissen von Ewigkeit an. Vielleicht hat Herr Khorchide sich nur unpassend und ungeschickt ausgedrückt, vielleicht möchte er jedoch tatsächlich und bewusst dieses unislamische Bild eines vermenschlichten Gottes verbreiten. Auch wenn die nichtmuslimischen Schreiberlinge und die Propagandisten des Innenministeriums solchen Unsinn noch so sehr anpreisen und für den „wahren“ Islam erklären, so denke und hoffe ich jedoch, dass die Mehrheit der Muslime in Deutschland diese Mogelpackung nicht annehmen wird. Wir haben in der BRD Religionsfreiheit und können niemanden daran hindern, eine neue Religion zu begründen, nur soll er sie nicht „Islam“ nennen, da dieser Name bereits vergeben ist.

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