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Kommentar: „Air-France-Stewardessen sollen Kopftuch tragen“

Am 04.04.2016 veröffentlichte „welt.de“ den Artikel mit dem Titel: „Air-France-Stewardessen sollen Kopftuch tragen“

Air France fliegt bald wieder den Iran an. Beim Verlassen des Flugzeugs soll das weibliche Bordpersonal Kopftuch tragen. Nun wehren sich die Gewerkschaften – bei der Lufthansa bleibt Protest aus. [Mehr lesen]

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Kommentar von Realität-Islam

Wenn es um das islamische Kopftuch geht, verstehen die Franzosen keinen Spaß. Dass Europa in die gleiche Kerbe schlägt und dem über kurz oder lang in nichts nachsteht, zeigt zuletzt gesprochenes Recht: Das Tragen des Kopftuches sei kein Menschenrecht, lautet das Urteil aus Straßburg, wo der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) seinen Sitz hat. Die Interessen des Staates seien demnach schwerwiegender. Ein Urteil mit Strahlkraft, möchte man meinen, denn solch eine Position hat Signalwirkung für andere Länder, die noch um eine Lösung im sogenannten „Kopftuchstreit“ ringen.

Im konkreten Fall geht es um eine Angestellte in einem französischen Krankenhaus. Und da kannten die Richter keine Gnade, denn schließlich sei der Glaube reine Privatsache und dürfe keinen Weg in die Öffentlichkeit finden. Der Laizismus zeichne sich eben durch die rigorose Trennung von Staat und Religion aus. Und das sei nun einmal einer der Grundpfeiler der Französischen Republik.

Die zuletzt bekannt gewordene Vorschrift, die Air France für seine in den Iran reisenden Stewardessen erlassen hat, deckt die ganze Scheinheiligkeit und Bigotterie auf, die hinter dem Kopftuchstreit steht. Es sei Kopftuchpflicht für weibliches Personal vorgesehen, wenn es in den Iran geht. Außerdem müssten die Frauen eine lange Hose und eine weite Jacke tragen. Wenn Air France mit Kritik an dieser Zwangsregelung konfrontiert wird, heißt es aus Air-France-Kreisen, dass schließlich auch Fluggesellschaften wie z. B. Lufthansa ähnliche Vorgaben vorsähen.

Diese unlängst bekanntgewordene Regelung beweist die Prinzipienlosigkeit und Doppelmoral in dieser Sache. Denn wenn es um den Profit geht, sind die viel gelobten und vermeintlich so hoch zuhaltenden und nicht verhandelbaren Grundpfeiler der Grande Nation plötzlich vollkommen bedeutungslos.

Für uns Muslime wirft eine solche Regelung ein besonders entlarvendes Schlaglicht auf den so düsteren Kopftuchstreit. Wenn die angeblich so heiligen Werte wie die Trennung von Glauben und Gemeinschaft so leicht für ein Unternehmensergebnis geopfert werden können, fragen wir uns nämlich, worum es bei der Beharrlichkeit der Autoritäten in Sachen Kopftuch in Schule und Beruf denn tatsächlich geht. Der Mythos der Nicht-Verhandelbarkeit von säkularen und laizistischen Werten wird durch die Doppelzüngigkeit derer ad absurdum geführt, die sie angeblich um jeden Preis verteidigen wollen. Das zeigt, dass die Werte, in deren Namen enormer Druck und Zwang auf unsere muslimischen Geschwister ausgeübt werden, nur aufgesetzt und vorgeschoben sind, um einen ganz anderen Mythos aufrechtzuerhalten: Nämlich den der Nicht-Machbarkeit von muslimischem Leben in einer nichtmuslimischen Mehrheitsgesellschaft.

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